Food Truck Konzept erwerben - sinnvoll oder schwachsinnig?
25.02.2022 / aktualisiert am 30.01.2026
Warum sich selbst die Mühe machen und ein eigenes Konzept entwickeln, wenn man das Konzept eines anderen Food Trucks 1:1 kaufen und übernehmen kann?
Klingt erstmal bequem. Und ja: kann es auch sein – zumindest auf dem Papier.
Denn wenn du ein bestehendes Konzept übernimmst, bekommst du im Idealfall:
- einen funktionierenden Truck (inkl. Equipment)
- eingespielte Abläufe
- Lieferantenkontakte
- vielleicht sogar Personal
- und im besten Fall eine kleine Stammkundschaft
Das ist der Traum. Die Realität ist: Du kaufst nicht nur ein Konzept – du kaufst auch alle Baustellen, die dazugehören.
Wann ein Konzeptkauf tatsächlich Sinn ergeben kann
Ein bestehendes Konzept zu übernehmen ergibt vor allem dann Sinn, wenn du den Truck am bisherigen Standort bzw. im bisherigen Einsatzgebiet weiterführst.
Warum? Weil sehr viele "Strukturen" ortsgebunden sind:
- Standortbeziehungen (Firmen, Märkte, Betreiber)
- Eventkontakte (Veranstalter buchen nicht „dein Logo“, sondern Menschen/Vertrauen)
- lokale Lieferanten (und deren Konditionen)
- der Ruf in der Region (positiv oder negativ)
Wenn du 300 km weiter weg wohnst, sind große Teile davon schnell: für die Katz.
Der Preis: nicht selten teuer, manchmal absurd
Die Angebote, auf die man in der Praxis stößt, liegen nicht selten irgendwo zwischen 80.000–150.000 € inkl. Truck.
Wichtig: Das ist kein Richtwert, nur ein Erfahrungsbereich. Aber selbst bei "stolzen Summen" sind die Trucks teilweise alt, mit hoher Laufleistung – und du zahlst trotzdem "Konzept-Aufpreis".
Und hier kommt die Kernfrage: Zahlst du für ein funktionierendes System – oder für eine hübsch verpackte Geschichte?
Die wichtigste Frage: Warum wird verkauft?
Das ist nicht "Smalltalk". Das ist dein Risikofilter.
Es gibt legitime Gründe:
- Gesundheit
- familiäre Veränderungen
- keine Lust mehr auf Gastro-Leben
- Wechsel in einen Job / Auswandern
Und es gibt Gründe, die du ernst nehmen musst:
- zu wenig Umsatz / zu geringe Marge
- zu hohe Arbeitslast
- kein Zugang zu guten Standorten
- Konzept funktioniert nicht stabil
Wenn Letzteres der Fall ist, liegt es oft nicht an "Pech", sondern an Konzeptfehlern: Zielgruppe, Preise, Ablauf, Produktlogik, Standorte, Geschwindigkeit, Wareneinsatz.
Und jetzt die unangenehme Wahrheit:
Wenn das Konzept schon beim Vorbesitzer nicht funktioniert hat, wirst du es nicht automatisch zum Star machen.
Außer du steckst wieder Arbeit rein, optimierst, änderst, baust um – also genau das, was du eigentlich vermeiden wolltest.
Groß daherreden können viele – du brauchst Belege
Wenn jemand dir erzählt, der Truck laufe "super", gilt eine Regel: Worte sind billig. Zahlen sind teuer.
Lass dir offizielle Unterlagen zeigen, nicht "Excel-Gefühl":
- Einnahmen-Überschuss-Rechnung
- Steuerbescheide / Auswertungen
- BWA (wenn vorhanden)
- Kontoauszüge (zumindest ausschnittsweise, nachvollziehbar)
- Nachkalkulationen (Wareneinsatz, Deckungsbeitrag)
- Eventabrechnungen, Catering-Rechnungen
Wenn du keine Ahnung hast, wie du das interpretierst: Hol dir Hilfe.
Denn es bringt nichts, wenn du dir mit dem Kauf ein finanzielles Kreuz auf den Rücken bindest, das du die nächsten Jahre mitschleppst.
Ruf & Bewertungen: unterschätzt – aber extrem teuer
Ein negatives Image bekommst du nicht mal eben aus den Köpfen. Manchmal dauert es Jahre. Manchmal passiert es nie.
Also:
- lies Google-Bewertungen (nicht nur Sterne – Texte!)
- check Social Media (Kommentare, Ton, Wiederholungen)
- sprich, wenn möglich, mit Standortbetreibern / Veranstaltern
- frag dich: Wollen die Leute diesen Truck – oder wollen sie ihn loswerden?
Übernimm nicht blind irgendein Konzept. Durchleuchte es.
Was viele beim Kauf vergessen: Du kaufst nicht automatisch alles
Ein "Konzept" besteht nicht nur aus Rezepten und Folierung.
Kläre schriftlich, was wirklich übergeht:
Markenname / Domain / Social-Media-Accounts
Rezepte (inkl. Rechte, Dokumentation, Standardisierung)
Lieferantenverträge & Konditionen
Standortvereinbarungen (sind die übertragbar?)
Mitarbeitende (gehen die mit? wollen die überhaupt?)
Inventar-Liste (was ist dabei – und was ist „Dekoration“?)
Zustand Truck / Wartungen / Mängel / TÜV / Umbauten
Sonst kaufst du am Ende einen Truck – und die eigentliche Substanz bleibt beim Verkäufer.
Fazit: Sinnvoll oder schwachsinnig?
Sinnvoll, wenn du ein funktionierendes System in einem passenden Gebiet übernimmst, mit nachvollziehbaren Zahlen, sauberer Übergabe und realistischer Bewertung.
Schwachsinnig, wenn du für ein Konzept bezahlst, das im Kern nicht tragfähig ist – oder wenn du nach dem Kauf ohnehin alles neu machen musst.
Wenn du schon beim Lesen merkst, dass du bei jedem Punkt nur "hoffentlich wird’s schon passen" denkst, dann ist die Antwort meistens klar.
Produktempfehlung zum Abschluss
Wenn du ein Konzept kaufen willst, brauchst du zwei Dinge:
1. Konzeptverständnis (damit du Schwächen überhaupt erkennst)
👉 Die Food Truck Formel – weil sie dir die Logik gibt, wie ein tragfähiges Konzept aufgebaut ist und wo die typischen Denkfehler liegen.
2. Zahlenklarheit (damit du nicht aus Bauchgefühl kaufst)
👉 Businessplan-Vorlage – perfekt, um Umsätze, Kosten, Marge und Realismus einmal sauber durchzurechnen, bevor du unterschreibst.
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