Hat schlechtes Wetter einen Einfluss auf den Umsatz?
30.10.2022 / aktualisiert am 03.02.2026
Bevor man das erste Mal mit dem Food Truck unterwegs ist, macht man sich über schlechtes Wetter meist wenig Gedanken. Die innere Idealvorstellung sieht eher so aus: Sonne, guter Standort, hungrige Gäste, volle Kasse.
Spätestens beim ersten Verkaufstag im Dauerregen oder bei frostigen Temperaturen kommt dann aber die Frage auf: "Lohnt sich das heute überhaupt?"
Die kurze Antwort: Meistens ja.
Die lange Antwort ist – wie so oft – etwas differenzierter.
Meine Erfahrung aus mehreren Jahren Mittagsgeschäft
Aus meiner Zeit im regelmäßigen Mittagstisch habe ich eine ziemlich klare Erkenntnis gewonnen: "Normales" schlechtes Wetter hat überraschend wenig Einfluss auf den Umsatz.
Leichter Regen, grauer Himmel oder kühle Temperaturen haben bei mir kaum einen messbaren Unterschied gemacht. Die Leute müssen trotzdem essen. Wer mittags Hunger hat, kommt – ob mit oder ohne Schirm.
Anders sieht es bei Extremwetter aus:
- Temperaturen deutlich unter –10 °C
- anhaltender Starkregen
- Sturm
- Gewitter
Hier bricht der Umsatz spürbar ein – teilweise komplett. Dieses Wetter ist aber eher die Ausnahme als die Regel.
Mittagstisch vs. Event – zwei völlig unterschiedliche Welten
Was man beim Thema Wetter unbedingt unterscheiden muss, ist Mittagstisch vs. Eventgeschäft.
Während sich schlechtes Wetter im Mittagsgeschäft – abgesehen von Extremsituationen – nur moderat auf den Umsatz auswirkt, sieht das bei Events komplett anders aus.
Bei Events auf Selbstzahlerbasis entscheidet das Wetter oft schon darüber, ob das Event überhaupt besucht wird. Dauerregen, Kälte oder Sturm sorgen dafür, dass viele potenzielle Gäste gar nicht erst vor die Tür gehen. Und wenn weniger Besucher kommen, gibt es zwangsläufig auch weniger Umsatz – egal, wie gut dein Angebot ist.
Anders ausgedrückt: Beim Mittagstisch müssen die Leute essen. Beim Event wollen sie kommen. Und dieses Wollen ist extrem wetterabhängig.
Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Steht ein echter Publikumsmagnet auf der Bühne – Ed Sheeran, Rammstein oder ein vergleichbares Kaliber – dann ist das Wetter den meisten Besuchern relativ egal. Bei der großen Masse an kleineren Stadtfesten, Streetfood-Festivals oder Wochenend-Events gilt das jedoch nicht. Hier kann ein verregneter Samstag den Umsatz halbieren oder ein ganzes Wochenende wirtschaftlich ruinieren.
Deshalb solltest du Events immer anders bewerten als feste Mittagsstandorte:
Nicht nur das Konzept und die Konditionen des Veranstalters zählen, sondern auch Jahreszeit, Wetterrisiko und Besucherstruktur. Wer diese Unterschiede nicht berücksichtigt, zieht schnell falsche Schlüsse – etwa, dass "schlechtes Wetter generell keinen Einfluss auf den Umsatz hat".
Das stimmt so schlichtweg nicht.
Wichtiger als das Wetter für den Mittagstisch: Ferien, Feiertage, Großevents
Was deutlich stärkeren Einfluss hatte als Regen oder Kälte, waren externe Rahmenbedingungen, auf die du keinen Einfluss hast:
Schulferien
Besonders schwach waren bei mir:
- die zweite Woche der Osterferien
- die dritte und vierte Woche der Sommerferien
Großveranstaltungen
In München war die mit Abstand schlechteste Zeit jedes Jahr die Wiesn. Nicht, weil niemand Hunger hatte – sondern weil sich schlicht alles an einen anderen Ort verlagert.
Fazit: Wenn du Umsätze vergleichen willst, schau weniger aufs Wetter und mehr auf den Kalender.
Winter vs. Sommer – ein ehrlicher Vergleich
Über das Jahr betrachtet lag der Umsatz im Winter bei mir im Schnitt etwa 10 % unter dem Sommerniveau.
Kein Drama, aber spürbar.
Interessant: Der eigentliche Unterschied zeigte sich nicht beim Essen, sondern beim Getränkeverkauf.
- Kalte Getränke laufen bei Kälte logischerweise schlechter
- Salate verlieren im Winter stark an Attraktivität
Ich habe deshalb relativ früh reagiert:
- Salate im Winter gestrichen
- dafür Suppen und Eintopfgerichte angeboten
Das hat den Effekt des Wetters deutlich abgefedert.
Wann ich bewusst nicht rausgefahren bin
Ich hatte eine klare persönliche Grenze: Sturm.
Ab angekündigten Windgeschwindigkeiten von ca. 80 km/h bin ich nicht mehr rausgefahren. Auch, wenn sie nur als "Böen" angekündigt wurden.
Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Sicherheitsgründen. Eine abgerissene Verkaufsklappe oder verletzte Personen stehen in keinem Verhältnis zu ein paar hundert Euro Umsatz.
Bei starkem, aber noch vertretbarem Wind habe ich teils improvisiert:
- Verkauf über das Fahrerfenster
- Klappe geschlossen
- reduzierter Betrieb
Nicht optimal – aber besser als ganz auszufallen.
Wenn du wetterbedingt absagen musst: Kommunikation schlägt alles
Solltest du einen Standort kurzfristig nicht anfahren können, ist eines entscheidend: klare Kommunikation.
Und zwar nicht nur auf Social Media.
Denn:
- Nicht jeder ist dort aktiv
- Beiträge werden nicht chronologisch ausgespielt
- Ohne Werbung erreicht ein Post nur einen Bruchteil deiner Follower
Deshalb:
- Website immer aktualisieren (Standort / Tourplan)
- externe Plattformen (z. B. Foodtruck-Portale) anpassen
- bei planbaren Ausfällen zusätzlich Aushang am Truck
Machst du das sauber, wird dir niemand böse sein.
Im Gegenteil: Zuverlässigkeit entsteht nicht dadurch, dass du immer da bist – sondern dadurch, dass man weiß, woran man bei dir ist.
Fazit: Wetter ist selten dein größtes Problem
Schlechtes Wetter wird von vielen Food-Truckern überschätzt.
Viel entscheidender sind:
- Standortqualität
- Zielgruppe
- Rhythmus
- Angebotslogik
- Ferien & Events
- und deine eigene Organisation
Wenn diese Dinge passen, bringt dich ein verregneter Dienstag nicht aus der Spur.
Oder anders gesagt: Der Himmel ist selten schuld – meistens sind es die Rahmenbedingungen.
Planung schlägt Improvisation
Schlechtes Wetter ist nur einer von vielen Faktoren, die deinen Umsatz beeinflussen.
Entscheidend ist, ob dein Food-Truck-Business insgesamt sauber geplant und robust aufgestellt ist.
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