Warum läuft's nicht mit meinem Food Truck?
8 Vorboten, warum dein Food Truck bald still steht
30.09.2021 / überarbeitet am 01.02.2026
Erst vor Kurzem habe ich in einer WhatsApp‑Gruppe wieder gelesen, dass jemand seinen Food Truck nach nicht einmal zwei Jahren aufgibt. Leider ist das in der Street‑Food‑Szene keine Seltenheit.
Am Anfang ist es fast immer dieselbe Geschichte: große Leidenschaft, viel Euphorie, endlich „sein eigenes Ding machen“. Doch oft verfliegt diese Begeisterung schneller, als gedacht.
Die entscheidende Frage lautet also nicht: Warum hören so viele auf?
Sondern: Warum läuft es bei so vielen von Anfang an nicht rund?
Hier sind die häufigsten Gründe – ohne Beschönigung.
1. Kaum Werbung an den Standorten
Viele Food Trucker verlassen sich auf einen Satz, der fast immer falsch verstanden wird: "Das spricht sich schon rum."
Ja – irgendwann. Aber bis dahin bist du möglicherweise schon pleite oder entnervt.
Gerade am Anfang reicht Mundpropaganda nicht aus. Wer nicht aktiv:
- Firmen abklappert
- Ansprechpartner kontaktiert
- Aushänge platziert
- telefonisch nachfasst
…wird an vielen Standorten schlicht übersehen.
Klingeln putzen, Mails schreiben, telefonieren – all das gehört dazu. Nicht für immer, aber gerade in der Anfangsphase.
2. Der Glaube, Social Media reiche aus
Facebook‑Seite, Instagram‑Account – fertig ist das Marketing?
Leider nein.
Social Media kann unterstützen, ersetzt aber keine lokale Sichtbarkeit. 500 Follower aus Hamburg helfen dir nicht, wenn dein Truck in Stuttgart steht.
Ohne:
- klare Standortkommunikation
- Auffindbarkeit bei Google
- verlässliche Informationen
bleibt dein Online‑Auftritt reine Selbstbeschäftigung.
3. Falsche Erwartungen an Selbstständigkeit
"Mit einem Food Truck wird man reich."
Vielleicht – je nachdem, wie man reich definiert. In der Realität bedeutet Selbstständigkeit aber meist:
- lange Arbeitstage
- wenig Sicherheit
- ständige Unsicherheit
- Verantwortung für alles
Es gibt entspanntere Wege, reich zu werden. Ein Food Truck ist keiner davon.
Wer unterschätzt, wie viel mentale Belastung dazugehört, verliert schnell die Lust.
4. Überschätzter Mittagstisch & falsche Festival‑Romantik
Viele setzen zu stark auf:
- Mittagstisch
- Street‑Food‑Festivals
Beides kann funktionieren – aber nur unter bestimmten Bedingungen.
Mittagstisch
- kurzes Zeitfenster (1–2 Stunden)
- hoher Durchsatz nötig
- wenig Spielraum für Fehler
Wer nicht schnell produzieren kann, verschenkt Umsatz.
Festivals
Hier scheitern viele an:
- zu hoher Teilnahmegebühr
- zu viel Konkurrenz
- ungünstigen Vertragsbedingungen
- schlechten Veranstaltern
Tipp: Veranstalter googeln. Erfahrungsberichte lesen. Bedingungen prüfen.
5. Fehlende Unternehmer‑Mentalität
Leidenschaft fürs Kochen reicht nicht.
Wer ein Unternehmen führt, braucht zumindest:
- grundlegendes betriebswirtschaftliches Verständnis
- Überblick über Zahlen
- Kennzahlen für Entscheidungen
Bauchgefühl ist wichtig – aber kein Ersatz für Kalkulation.
Ohne Zahlen weißt du nicht:
- ob du Geld verdienst
- wo du Geld verlierst
- welche Entscheidungen sinnvoll sind
6. Zu wenige (oder gar keine) Catering‑Aufträge
Unter uns: Caterings sind deutlich lukrativer als Mittagstisch oder Festivals.
Warum?
- höhere Abnahmemengen
- bessere Margen
- weniger Gebühren
Viele Food Trucks warten zu lange, um sich als Caterer zu positionieren. Dabei ist genau das häufig der Hebel, der ein Business stabil macht.
Geduld ist hier entscheidend. Im ersten Jahr kommen oft nur wenige Anfragen – das ist normal.
7. Gesättigter Markt & austauschbare Konzepte
Food Trucks gibt es mittlerweile überall – auch in ländlichen Regionen.
Wer heute als:
- zehnter Burger‑Truck
- weiterer Pommes‑Anbieter
- Kopie ohne eigene Idee
startet, hat es extrem schwer.
Genauso problematisch: zu spezielle Konzepte.
Zwischen "austauschbar" und "zu speziell" liegt eine schmale Linie.
Oder anders gesagt: Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.
(Insekten‑Burger als Mittagstisch? Schwierig.)
8. Schlechte oder fehlende Website
Erstaunlich viele Food Trucks haben:
- gar keine Website
- oder eine lieblos hingeworfene
Dabei ist sie der Dreh‑ und Angelpunkt deiner Vermarktung:
- Auffindbarkeit bei Google
- Vertrauen bei Catering‑Kunden
- zentrale Informationsquelle
Eine Website muss nicht teuer sein. Baukastensysteme reichen oft völlig – wenn sie sauber gemacht sind.
Fazit: Meist liegt es nicht am Markt – sondern am Fundament
Wenn es mit deinem Food Truck nicht läuft, liegt das selten an Pech.
Oft fehlen:
- klare Positionierung
- aktive Vermarktung
- Zahlenverständnis
- realistisches Erwartungsmanagement
Ein Food Truck ist kein Selbstläufer. Aber er kann funktionieren – wenn man ihn wie ein Unternehmen führt.
Empfehlung zum Weiterlesen
Wenn du merkst, dass mehrere Punkte auf dich zutreffen, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, einen Schritt zurückzugehen.
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