5 Fehler, die Quereinsteiger im Food-Truck-Business häufig machen
03.04.2023 / aktualisiert am 20.01.2026
Die Food‑Truck‑Branche besteht zu einem großen Teil aus Quereinsteigern. Die Einstiegshürden wirken niedrig, der Hype ist real und Food Trucks genießen heute einen deutlich höheren Stellenwert als noch vor zehn Jahren. Das alles verführt zum schnellen Einstieg in die Gastronomie.
Das Problem: Genau dadurch werden immer wieder dieselben Fehler gemacht. Nicht aus Dummheit – sondern aus Naivität, falschen Erwartungen und mangelnder Vorbereitung.
Hier sind die fünf häufigsten Fehler, die ich bei Quereinsteigern seit Jahren beobachte.
1. Das Arbeitspensum massiv unterschätzen
"Ich will mein eigener Chef sein" ist ein schöner Gedanke. Die Realität sieht anders aus.
Ein Food Truck bedeutet:
- lange Tage
- frühe Aufbauten
- späte Abbauten
- Einkauf, Vorbereitung, Abrechnung
- Organisation, Akquise, Buchhaltung
Selbstständigkeit ist keine Hauruck‑Aktion – und schon gar kein Selbstläufer. Die ersten zwei bis drei Jahre sind in der Regel die härtesten.
Jeder Euro wird zweimal umgedreht, Freizeit ist knapp und ein Wochenpensum von 50–60 Stunden ist eher normal als die Ausnahme.
Wer glaubt, mit einem Food Truck schnell ein entspanntes Leben zu führen, wird sehr schnell von der Realität eingeholt.
2. Die Verdienstmöglichkeiten überschätzen
Eng mit Punkt eins verbunden: der Blick aufs Geld.
Am Anfang kennt dich niemand. Du kannst nicht davon ausgehen, dass dir Kunden die Verkaufsklappe einrennen. In vielen Fällen bleibt erst einmal nur:
Mittagsgeschäft
wechselnde Standorte
mäßige Frequenz
40 Portionen, vielleicht 60 an einem guten Tag, reichen auf Dauer nicht, um davon gut zu leben – vor allem nicht, wenn du davon noch Investitionen, Rücklagen und private Kosten stemmen musst.
Erst mit:
konstant guter Produktqualität
Sichtbarkeit
Vertrauen
Mund‑zu‑Mund‑Propaganda
steigen die Zahlen. Dann werden aus 40 Portionen irgendwann 70. Aus 50 werden 100 oder mehr – auch in kurzer Zeit wie dem Mittagstisch.
Wichtig dabei: Preiswert heißt nicht billig. Ein subjektiv "teures" Produkt kann seinen Preis absolut wert sein. Viele Food‑Truck‑Betreiber verkaufen sich – gerade am Anfang – systematisch unter Wert.
3. Unausgereifte oder romantisierte Konzepte
Ein Klassiker.
"Auf Partys und Familienfeiern war alles sofort weg – also muss das funktionieren."
Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.
Ein funktionierender Food Truck besteht nicht nur aus gutem Essen. Ein tragfähiges Konzept umfasst unter anderem:
- Zielgruppe
- Standorte
- Frequenzlogik
- Produktionsgeschwindigkeit
- Personal‑ und Solo‑Tauglichkeit
- Kalkulation
- Außenwirkung
Warum haben Unternehmen Abteilungen für Einkauf, Marketing, Controlling oder Vertrieb?
Weil jedes dieser Themen erfolgsentscheidend ist.
Wer glaubt, mit einem halbfertigen Konzept "einfach mal zu starten", betreibt kein Business, sondern ein zeitlich begrenztes Experiment.
4. Zu sehr auf Außenstehende hören
Familie und Freunde meinen es gut. Fast immer.
Das Problem: Sie haben in der Regel keine Ahnung vom Food‑Truck‑Business und oft nicht einmal von Gastronomie.
Sätze wie:
- "Mach’s doch günstiger"
- "Das würde ich sofort kaufen"
- "Warum nimmst du nicht noch dies oder das dazu?"
klingen hilfreich, sind es aber selten.
Natürlich darfst (und sollst) du dir Meinungen anhören. Aber du solltest sie einordnen können. Verlasse dich lieber auf:
- andere Food‑Trucker
- echte Praxiserfahrungen
- Fachwissen
- Bücher, Kurse, fundierte Inhalte
Denn nur Menschen, die das Spiel spielen oder gespielt haben, wissen, wo die Fallstricke liegen.
5. Preise falsch kalkulieren
Das ist oft der Anfang vom Ende.
Viele Quereinsteiger setzen Preise nach Gefühl fest:
- "Was würde ich selbst zahlen?"
- "Was verlangt die Konkurrenz?"
Beides ist gefährlich.
Preise dürfen nicht aus Konsumentensicht entstehen und auch nicht einfach kopiert werden.
Eine saubere Preiskalkulation berücksichtigt:
- Wareneinsatz
- laufende Fixkosten
- variable Kosten
- deinen Unternehmerlohn
- Rücklagen
- Gewinnmarge
- Umsatzsteuer
Erst danach ergibt sich ein sinnvoller Verkaufspreis. Alles andere ist keine Kalkulation, sondern Hoffnung.
Ergänzender Fehler: Zu früh zu viel wollen
Ein Punkt, der besonders Quereinsteiger betrifft:
- zu große Speisekarte
- zu viele Varianten
- zu viele Prozesse
Komplexität frisst Geschwindigkeit, Nerven und Marge.
Die erfolgreichsten Food Trucks starten fokussiert, nicht überambitioniert. Weniger Produkte, klarer Ablauf, saubere Umsetzung.
Fazit
Quereinsteiger sind nicht das Problem der Food‑Truck‑Branche – unvorbereitete Quereinsteiger sind es.
Wenn du bereit bist:
- Arbeit realistisch einzuschätzen
- Geld nüchtern zu betrachten
- ein echtes Konzept zu entwickeln
- dich nicht von jeder Meinung treiben zu lassen
- Preise sauber zu kalkulieren
…dann hast du auch als Quereinsteiger sehr gute Chancen.
Wenn nicht, wird aus dem Traum vom Food Truck schnell ein teures Lernprojekt.
Empfehlung zum Weiterlesen
Wenn du dich in einem oder mehreren Punkten wiedererkennst, dann ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, einen Schritt zurückzugehen.
👉 Wenn Food Truck, dann richtig (das Buch)
Es hilft dir, ehrlich zu prüfen, ob dein Vorhaben tragfähig ist – bevor du Zeit, Geld und Energie verbrennst.
Erst Klarheit. Dann Umsetzung.
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