Kann man von einem Food Truck wirklich leben?
13.02.2026
Die kurze Antwort lautet: Ja.
Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, was du unter "leben" verstehst.
Und genau da beginnt das Problem.
Die romantische Vorstellung
Bevor man startet, sieht das Bild ungefähr so aus:
- Du fährst vier Tage die Woche raus.
- Die Sonne scheint.
- Die Leute feiern dein Essen.
- Am Monatsende bleibt "schon genug übrig".
Und wenn du ehrlich bist, reicht dir am Anfang oft genau dieser Gedanke: "Hauptsache, ich komme über die Runden."
Ich kenne das.
Mein erster Denkfehler
Nach einem halben Jahr Selbstständigkeit saß ich bei meinem Steuerberater.
Er blätterte durch die Zahlen, schaute mich an und sagte: "Die Umsätze müssen aber schon wachsen, das wissen Sie?"
Ich war innerlich irritiert.
In meiner Wahrnehmung lief es gar nicht schlecht.
Ich konnte meine Miete zahlen.
Ich hatte Essen.
Ich hatte sogar „was übrig“.
Was ich nicht hatte:
Rücklagen.
Struktur.
Planung.
Wachstum.
Ich habe von der Hand in den Mund gelebt – und es als Erfolg verkauft.
Das war mein Denkfehler.
"Davon leben" ist eine gefährlich schwammige Formulierung
Lass uns sauber differenzieren.
Davon leben
- Laufende Kosten gedeckt
- Private Ausgaben gedeckt
- Ab und zu Urlaub
- Kein Dispo
- Keine Panik vor der Miete
Das schaffen viele.
Gut davon leben
- Solide Rücklagen
- Steuerzahlungen ohne Herzinfarkt
- Altersvorsorge wird aktiv aufgebaut
- Du kannst deine Arbeitszeit reduzieren
- Du musst nicht jeden Auftrag annehmen
- Du hast Verhandlungsmacht
Das schaffen deutlich weniger.
Und genau hier trennt sich Hobby-Selbstständigkeit von Unternehmertum.
Der eigentliche Wendepunkt
Bei mir kam der Moment nicht, als ich mehr Mittagstisch verkauft habe.
Er kam, als ich verstanden habe: 30 % Marge Mittagstisch vs. 80–90 % Marge im Catering
Das ist kein kleiner Unterschied.
Das ist ein komplett anderes Spiel.
Als ausreichend Catering-Aufträge reinkamen, verschob sich alles:
- weniger Stress
- höhere Auftragswerte
- bessere Planbarkeit
- mehr Gewinn bei gleichem Aufwand
Und plötzlich ging es nicht mehr nur ums Überleben.
Mittagstisch reicht – meistens – nicht
Der Mittagstisch ist gut für:
- Bekanntheit
- Cashflow
- Sichtbarkeit
- Routine
Aber er ist selten das Fundament für echten Wohlstand.
Du kannst 4 Tage die Woche je 550 € machen.
Das sind rund 8.800 € Umsatz im Monat.
Klingt erstmal gut.
Zieh ab:
- Wareneinsatz
- Sprit
- Versicherung
- Rücklagen
- Steuer
- Krankenversicherung
- Reparaturen
- Abschreibungen
Und plötzlich schrumpft das Ganze.
Reich wirst du damit nicht.
Und oft nicht einmal wirklich frei.
Die harte Wahrheit
Es gibt im Food-Truck-Business vor allem drei Typen.
Typ 1 – Der Überlebenskünstler
- 20–30 Portionen pro Tag
- Stolz auf jeden Verkauf
- Kaum Rücklagen
- Arbeitet viel
- Verdient wenig
- Gibt es nie zu
Typ 2 – Der Lautsprecher
Erzählt überall, wie brutal gut es läuft
- Postet Umsatzzahlen
- Kauft den zweiten Truck zu früh
- Stellt zu früh Personal ein
- Übernimmt sich früher oder später (finanziell und/oder physisch und/oder mental)
Typ 3 – Der Stratege
- Kennt seine Zahlen
- Optimiert Marge statt nur Umsatz
- Baut Catering auf
- Reduziert unlukrative Standorte
- Denkt langfristig
Rate mal, wer nachhaltig lebt.
Die größte Illusion
Die größte Illusion von Gründern?
Sie denken kurzfristig.
"Wenn ich nächsten Monat 2.000 € rausziehen kann, passt das."
Nein.
Das passt genau so lange, bis:
- der Steuerbescheid kommt
- der Motor stirbt
- du krank wirst
- du Familie gründest
- du nicht mehr 60 Stunden arbeiten willst
Kurzfristiges Denken ist der Tod jeder Selbstständigkeit.
Kann man also wirklich davon leben?
Ja.
Aber:
- Nicht automatisch.
- Nicht von selbst.
- Nicht nur mit Leidenschaft.
Du brauchst:
- Marge
- Struktur
- Rücklagen
- Strategie
- Wachstumslogik
- Disziplin
Und vor allem: Du musst aufhören, "zum Leben reicht’s" als Ziel zu akzeptieren.
Wenn dich genau dieser Gedanke beschäftigt, lies unbedingt auch: Warum "zum Leben reicht’s" nicht reicht
(Das ist keine Floskel. Das ist die logische Fortsetzung.)
Was du dir ehrlich beantworten solltest
- Wie viel brauchst du privat wirklich?
- Wie viel willst du langfristig?
- Wie viel Risiko hältst du aus?
- Wie lange kannst du Durststrecken tragen?
- Hast du Verantwortung für Familie?
- Willst du mit 60 noch Vollgas am Truck stehen?
Es geht nicht nur um Zahlen.
Es geht um Lebensdesign.
Der Unterschied zwischen Selbstverwirklichung und Verantwortung
Wenn du:
- jung bist
- keine Verpflichtungen hast
- wenig brauchst
- und der Food Truck dein größtes Projekt ist
Dann ist "davon leben" erstmal okay.
Aber sobald:
- Kinder da sind
- Verantwortung wächst
- dein Anspruch steigt
- deine Energie sinkt
… reicht das nicht mehr.
Dann brauchst du Struktur.
Nicht Hoffnung.
Und jetzt die ehrliche Einordnung
Man kann mit einem Food Truck:
- im niedrigen fünfstelligen Bereich rumkrebsen
- im hohen sechsstelligen Bereich landen.
Aber:
Die mit 600.000 € Umsatz haben meist mehrere Trucks und viel Personal.
Die Kosten explodieren mit.
Der Solo-Betreiber mit guter Auslastung, hoher Marge und Effizienz verdient am Ende oft mehr.
Nicht weil er mehr Umsatz macht.
Sondern weil er smarter arbeitet.
Fazit
Ja, du kannst von einem Food Truck leben.
Aber: Leben ist nicht gleich Leben.
Überleben ist einfach.
Freiheit ist Arbeit.
Sicherheit ist Strategie.
Wohlstand ist Struktur.
Wenn du es richtig angehst, kann ein Food Truck ein extrem profitables Geschäftsmodell sein.
Wenn du es falsch angehst, bist du selbstständig – aber nicht frei.
Wenn du es ernst meinst
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