Wie viel kann man mit einem Food Truck wirklich verdienen?
(Und warum diese Frage meistens falsch gestellt wird)
Die ehrliche Antwort darauf ist gleichzeitig die unbefriedigendste: Es kommt darauf an.
Das Problem ist nicht die Frage an sich, sondern die Erwartung, die dahintersteckt. Viele hoffen auf eine einfache Zahl. Eine Art magische Grenze, ab der sich alles "lohnt".
So nach dem Motto: Wenn ich X Euro Umsatz mache, bin ich safe.
Spoiler: So funktioniert das Food-Truck-Business nicht.
Aber keine Sorge – ich drücke mich nicht vor der Antwort.
Ich nehme dich jetzt mit durch die relevanten Stellschrauben, die realistischen Einsatzarten und vor allem durch die Frage, die eigentlich viel wichtiger ist als jeder Umsatzwert.
Warum Umsatz eine gefährliche Kennzahl ist
Bevor wir über konkrete Zahlen sprechen, müssen wir kurz über einen Denkfehler reden, der sich hartnäckig hält – nicht nur im Food-Truck-Business, sondern in der Selbstständigkeit generell.
Umsatz ist nicht dein Verdienst.
Umsatz ist das, was durch deine Kasse läuft.
Verdienst ist das, was nach Kosten, Abgaben, Verschleiß, Stress und Lebenszeit übrig bleibt.
Zwei Food Trucks können den gleichen Umsatz machen – und am Ende lebt einer entspannt davon, während der andere nachts wach liegt und Excel-Tabellen streichelt.
Deshalb schauen wir uns die Frage nach dem Verdienst nicht abstrakt, sondern entlang der realen Einsatzarten an.
1. Der Mittagstisch – planbar, aber begrenzt
Für viele ist der Mittagstisch der Einstieg ins Business.
Und das ist völlig legitim.
Typisches Szenario:
- Büro- oder Gewerbegebiet
- fester Wochentag
- freier Verkauf
- Kunden kommen in der Mittagspause
Im Video, das ich vor ein paar Jahren dazu veröffentlicht habe, bin ich bewusst defensiv rangegangen. Nicht, um jemandem die Motivation zu nehmen – sondern um falsche Erwartungen gar nicht erst entstehen zu lassen.
Ein realistischer Umsatz im Mittagstisch liegt oft irgendwo zwischen: 300 € und 800 € pro Tag
Ja, es gibt Ausreißer nach oben.
Ja, es gibt Standorte, an denen vierstellig möglich ist.
Aber das ist nicht die Regel – und vor allem nicht planbar.
Nehmen wir einen soliden Durchschnitt: 550 € Umsatz
4 Tage pro Woche
Dann bist du bei etwa 2.200 € pro Woche bzw. grob 8.500 bis 9.000 € pro Monat (keine Angst, ich kann auch 4*2.200 rechnen), je nach Saison und Ausfällen.
Davon kann man:
- starten
- lernen
- Reichweite aufbauen
Aber davon skaliert man nicht automatisch.
Der Mittagstisch ist kein Goldesel.
Er ist eher das Grundrauschen deines Geschäfts.
2. Selbstzahler-Events – alles zwischen "naja" und "wow"
Jetzt kommen wir zu dem Bereich, bei dem viele anfangen zu träumen – und genauso viele auf die Nase fallen.
Kulturveranstaltungen, Stadtfeste, Festivals, Märkte.
Also Events, bei denen Besucher selbst zahlen.
Hier ist das Problem nicht der mögliche Umsatz, sondern die Unberechenbarkeit.
Die Spannbreite ist brutal:
- 50 € Umsatz (ja, das gibt es wirklich)
- 10.000 € Umsatz (ja, auch das)
- Und alles dazwischen.
Wovon hängt das ab?
- Wetter
- Lage
- Laufwege
- Konkurrenz
- Veranstalter
- Eintrittspreis
- Zielgruppe
- Uhrzeit
Das ist kein Geschäft, das man sauber kalkuliert.
Das ist ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten.
Manche Trucks leben davon.
Viele verbrennen dort Zeit, Nerven und Standgebühren.
Als Beimischung: okay.
Als Geschäftsgrundlage: riskant.
3. Caterings – hier passiert die Magie (und die Marge)
Jetzt kommen wir zu dem Bereich, in dem sich das Blatt wirklich wendet.
Caterings.
Firmenfeiern, Hochzeiten, private Events, Sommerfeste, Weihnachtsfeiern – alles, bei dem nicht jeder Kunde einzeln entscheidet, sondern ein Auftraggeber.
Und hier wird es plötzlich planbar.
Meine persönlichen Durchschnittswerte der letzten Jahre lagen: zwischen 2.000 € und 3.000 € pro Catering
Nicht, weil ich ein Zauberer bin.
Sondern weil ich unter 1.000 € netto nicht tätig werde.
Das ist ein ganz wichtiger Punkt.
Diese Zahlen sind kein Einsteigerstandard.
Sie sind das Ergebnis von:
- Positionierung
- klaren Angeboten
- Nein-sagen
- Erfahrung
Im Catering steckt:
- die beste Marge
- die höchste Planbarkeit
- das größte Potenzial für Zeitwohlstand
Nicht, weil Caterings „leichter“ wären – sondern weil sie anders funktionieren.
Warum im Catering das größte Potenzial liegt
Beim Mittagstisch verkaufst du Portionen.
Beim Catering verkaufst du Lösungen.
Du wirst nicht danach beurteilt, ob dein Burger 50 Cent günstiger ist, sondern ob:
das Event läuft
die Gäste zufrieden sind
der Auftraggeber entspannt ist
Und dafür wird bezahlt.
Ein einziges gutes Catering kann:
- mehrere Mittagstage ersetzen
- deutlich weniger Stress verursachen
- planbarer sein als drei Eventtage im Regen
Das ist der Grund, warum viele Food Trucks langfristig:
- den Mittagstisch reduzieren
- Events selektieren
- Caterings priorisieren
Nicht aus Faulheit.
Sondern aus unternehmerischer Vernunft.
Umsatz ist egal – entscheidend ist, was übrig bleibt
Jetzt kommt der Teil, den viele nicht hören wollen.
Der Gewinn entscheidet. Nicht der Umsatz.
Und der Gewinn hängt ab von:
- Wareneinsatz
- Personal
- Standgebühren
- Fahrzeugkosten
- Logistik
- eigener Effizienz
Ein Truck mit:
- 200.000 € Umsatz
- sauberer Struktur
- wenig Personal
- klaren Abläufen
kann am Ende mehr verdienen als ein Truck mit:
- 600.000 € Umsatz
- fünf Angestellten
- Chaos im Ablauf
- Dauerstress
Mehr Umsatz heißt oft:
- mehr Verantwortung
- mehr Fixkosten
- mehr Abhängigkeiten
Solo-Trucker vs. Flottenbetreiber
Es gibt Food Trucks:
die irgendwo im niedrigen fünfstelligen Bereich rumkrebsen
und solche, die im hohen sechsstelligen Bereich landen
Letztere sind aber fast nie:
- One-Man-Shows
- schlank organisiert
- entspannt
Meist stehen dahinter:
- mehrere Trucks
- viel Personal
- hoher Koordinationsaufwand
Und nicht selten verdient der Inhaber am Ende nicht mehr als der Solo-Trucker, der:
- gut ausgelastet ist
- seine Kosten kennt
- effizient arbeitet
Im Gegenteil.
Der Solo-Betreiber kann so lange an der Effizienzschraube drehen, dass er deutlich mehr Netto rauszieht – bei weniger Stress.
Die eigentliche Frage lautet nicht "Wie viel kann man verdienen?"
Die bessere Frage ist: Wie willst du arbeiten und wie viel reicht dir?
Willst du:
- jeden Mittag unterwegs sein?
- jedes Wochenende auf Events stehen?
- oder gezielt Caterings machen und Zeit zurückgewinnen?
Es gibt kein richtig oder falsch.
Aber es gibt falsche Erwartungen.
Excel kann viel.
Aber echte Zahlen entstehen erst im Betrieb.
Die ehrliche Antwort
Ja – man kann mit einem Food Truck Geld verdienen.
Sehr gutes sogar.
Aber:
- nicht automatisch
- nicht mit jeder Einsatzart
- nicht ohne unternehmerische Entscheidungen
Der größte Hebel liegt nicht im Umsatz.
Sondern in Struktur, Positionierung und Klarheit.
Kann man davon leben?
Jetzt zur Frage, die sich jeder stellt – aber kaum jemand ehrlich beantwortet: Kann man von einem Food Truck leben?
Die kurze Antwort: Ja. Aber nicht, wenn "zum Leben reicht’s" dein Maßstab ist.
Ein Food Truck, der 60.000 bis 80.000 € Umsatz macht kann existieren.
Aber:
- keine Rücklagen
- kein Puffer
- keine Ruhe
Und genau hier liegt der Denkfehler vieler Einsteiger.
Warum ein Food Truck mehr leisten muss, als nur irgendwie den Monat zu überstehen – und warum "zum Leben reicht’s" ein gefährlicher Anspruch ist, habe ich hier ausführlich aufgeschrieben: Warum du mit einem Food Truck mehr verdienen musst, als "zum Leben reicht’s"
Fazit: Was ist realistisch?
Realistische Szenarien gibt es viele.
Aber grob gesagt bedeuten für Solo-Trucker:
- niedriger 5-stelliger Umsatz → Überleben
- mittlerer bis hoher 5-stelliger Umsatz → solide Basis
- 6-stelliger Umsatz mit Fokus auf Catering → gutes bis sehr gutes Einkommen
Aber das sehr gute Einkommen, geschieht:
nicht über Nacht.
nicht ohne Planung.
Doch es ist absolut erreichbar.
Willst du wissen, was für dich realistisch ist?
Lesen ist gut.
Rechnen ist besser.
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