Nebenjob: Food Trucker - Ist das möglich?
13.11.2021 / aktualisiert am 30.01.2026
Nicht jeder angehende Foodtrucker möchte sich Hals über Kopf in die Vollzeit‑Selbstständigkeit stürzen. Gerade in unsicheren Zeiten erscheint es vielen sinnvoll, den Food Truck zunächst im Nebenerwerb zu betreiben.
Ein sicherer Angestelltenjob, planbares Einkommen, Sozialversicherung – all das wirft man nicht leichtfertig über Bord. Zumal die Gastronomie schon immer ein hartes Pflaster war. Spätestens seit Corona wissen wir: Wenn (Event‑)Gastronomie stillsteht, wird es schnell ungemütlich.
Die Idee, den Food Truck "nebenbei" zu starten, wirkt also vernünftig. Aber: Ist sie es auch?
Nebenbei ein paar Tausender verdienen? Unrealistisch.
Viele verbinden den Nebenjob‑Foodtruck mit einer einfachen Rechnung: Wochenende + Food Truck = zusätzliches Geld
Die Realität ist deutlich sperriger.
1. Die körperliche Belastung
Nach einer regulären 40‑Stunden‑Woche am Wochenende noch:
- einkaufen
- vorbereiten
- aufbauen
- verkaufen
- abbauen
- reinigen
- abrechnen
…das geht eine Zeit lang. Aber nicht dauerhaft.
Ruhezeiten sind kein Luxus, sondern Voraussetzung dafür, leistungsfähig zu bleiben. Wer glaubt, das ließe sich beliebig lange kompensieren, zahlt irgendwann mit Erschöpfung, Fehlern oder gesundheitlichen Problemen.
2. Erfolg kommt nicht von selbst
Ein Food Truck läuft nicht einfach, weil er da ist.
Umsatz entsteht durch:
- gute Standorte
- Sichtbarkeit
- Vertrauen
- Wiederholungskäufe
- Empfehlungen
Das alles erfordert Zeit, und zwar außerhalb der eigentlichen Verkaufszeiten:
- Markenaufbau
- Social Media / Website
- Kommunikation mit Veranstaltern
- Angebots‑ und Cateringanfragen
- Nachbereitung
Halbherzig betrieben, bleibt der Food Truck genau das: ein Hobby ohne nennenswerten Ertrag.
Der Knackpunkt: Erwartungshaltung
Ob ein Food Truck im Nebenerwerb Sinn macht, hängt weniger vom Truck ab – sondern von deiner Erwartung.
Wenn Gewinnerzielung nicht im Vordergrund steht
Willst du:
- deine Leidenschaft ausleben
- Erfahrungen sammeln
- langsam lernen
- ohne existenziellen Druck arbeiten
…dann ist der Nebenerwerb eine deutlich entspanntere Ausgangssituation.
Aber seien wir ehrlich: Mit steigenden Lebenshaltungskosten wird diese Position immer seltener. Früher oder später stellt sich fast zwangsläufig die Frage: Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt?
Ein Satz, den mir ein Nachbar zu Beginn meines Food‑Truck‑Daseins mitgegeben hat, ist mir bis heute hängen geblieben:
"Du musst am Ende des Monats mindestens 2.000 € übrig haben. Wenn du nur gerne kochst, dann koch doch einfach für deine Familie."
Hart formuliert – aber nicht falsch. Und die 2.000 € als Orientierung stammen auch aus einer anderen Zeit ...
Passt ein Food Truck zu deiner aktuellen Arbeitssituation?
Bevor du überhaupt über einen Nebenjob‑Foodtruck nachdenkst, solltest du dir ein paar unbequeme Fragen stellen:
- Wie viele Stunden arbeitest du aktuell pro Woche?
- Hast du fixe oder flexible Arbeitszeiten?
- Kannst du spontan frei nehmen (z. B. für Caterings)?
- Wie sieht es mit Urlaub, Überstunden, Wochenendarbeit aus?
Gerade das Catering‑Geschäft verlangt ein hohes Maß an Flexibilität. Aber auch ein scheinbar harmloser Mittagstisch frisst – inklusive Vor‑ und Nachbereitung – deutlich mehr Zeit, als viele erwarten.
Ein Food Truck lässt sich selten sauber in "nur ein paar Stunden" pressen.
Der größte Denkfehler: Nebenjob = geringes Risiko
Viele glauben, der Nebenerwerb sei automatisch die sichere Variante.
In Wahrheit hast du:
- fast dieselben Investitionen
- fast dieselben Fixkosten
- fast dieselben Pflichten
…aber deutlich weniger Zeit, um das Ganze sauber aufzubauen.
Das Risiko ist also nicht weg – es ist nur zeitlich gestaucht.
Fazit: Möglich – aber nur unter klaren Bedingungen
Ja, es ist möglich, einen Food Truck nebenberuflich zu betreiben.
Aber sinnvoll ist es nur, wenn:
- du einen langen Atem hast
- dein Hauptjob zeitlich flexibel ist
- du keinen akuten finanziellen Druck verspürst
- du bereit bist, trotzdem professionell zu denken
Wer glaubt, mit einem Nebenjob‑Foodtruck schnell Geld zu verdienen, wird enttäuscht.
Wer ihn dagegen als bewusste Test‑ und Lernphase nutzt, kann davon profitieren – vorausgesetzt, er rechnet ehrlich.
Empfehlung zum Abschluss
Bevor du entscheidest, ob Neben‑ oder Haupterwerb für dich Sinn macht, solltest du eines tun:
Rechnen statt hoffen.
Die Businessplan‑Vorlage hilft dir, realistisch zu prüfen, ob dein Food‑Truck‑Vorhaben – egal ob neben‑ oder hauptberuflich – wirtschaftlich tragfähig ist.
Erst Klarheit. Dann Risiko.
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