2021-10-22

Verkaufen bei Sturmwarnung – soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein?

air-bag-g952b09a88_640.jpgDer Herbst ist nun endgültig da und hat uns mit Sturm “Ignatz” und Sturm “Hendrik” teilweise heftig begrüßt. Während das Autofahren bei Sturm in gewisser Weise noch möglich ist, gestaltet es sich beim Verkauf aus einem Foodtruck heraus etwas schwieriger. Denn bei hohen Windgeschwindigkeiten wird die Verkaufsklappe eines Foodtrucks zur Achillesferse. Kann sie dem Wind stand halten oder wird sie bei starken Windböen beschädigt? Und was noch viel schlimmer wäre: Was, wenn die Klappe gar abreißt und Personen verletzt werden?

Ich erinnere mich noch an den ersten Verkaufstag, den ich wegen einer Sturmwarnung hab sausen lassen. Das war ein Freitag im Januar 2017. Ich war seit einem knappen Jahr im Mittagsgeschäft unterwegs, auch bei Wind und Wetter. Aber das war eben der erste Verkaufstag, für den es eine amtliche Unwetterwarnung wegen Sturmböen gab. Als ich davon erfahren habe, googelte ich wie verrückt, ob es denn möglich ist, bei derart widrigen Verhältnissen überhaupt die Klappe aufzumachen oder ob ich es besser sein lassen sollte. Fündig wurde ich nicht wirklich. Also musste ich mich an Vergleichswerten orientieren. Vorhergesagt waren Sturmböen mit Geschwindigkeiten bis 85 km/h (9 Beaufort). Als Auswirkung dieser Windstärke wurde unter anderem angegeben, dass dadurch Schäden an Häusern entstehen können und selbst stämmige Bäume sich schon deutlich biegen. Das war mir dann zu heikel, um es drauf ankommen zu lassen. Also ließ ich es bleiben. Als ich am besagten Tag zu Fuß unterwegs war, kam es mir dann doch nicht ganz so wild vor und ich habe mich im Nachhinein geärgert, dass ich nicht rausgefahren bin. Aber wer weiß, was passiert wäre, wenn ich das Risiko eingegangen wäre. Denn im Grunde genommen kann eine einzige Windböe ausreichen, um die Verkaufsklappe zu beschädigen. Und das kann in jederlei Hinsicht sehr teuer werden. Dagegen wirken die paar Hundert Euro Umsatz aus dem Mittagsgeschäft wie ein Witz.
Seitdem habe ich keinen einzigen Tag mehr wegen Sturm ausfallen lassen, was nicht bedeutet, dass es seitdem nicht mehr gestürmt hat. Vielleicht hatte ich Glück, dass die heftigen Stürme nicht auf meine Verkaufstage fielen. Da ich über die Jahre hinweg meine Verkaufstage stetig reduziert habe, sank dadurch natürlich auch das Risiko, dass ich genau solch einen Tag erwische. Sturmwarnungen gab es jedoch häufig. Wenn das der Fall war, habe ich es zumindest versucht, bin rausgefahren, habe gekocht und um 11:30 Uhr die Klappe aufgemacht. Wenn mir das nach einer Zeit alles zu sehr gewackelt und geknarzt hat, habe ich die Klappe einfach wieder zugemacht und mit einem “Notverkauf” über das Beifahrerfenster weitergemacht. Mal abgesehen davon, dass wenn der Wind zu krass war, eigentlich eh kaum Leute mehr kamen, konnte ich so immerhin kurzfristig reagieren. Mit den Umsätzen, die ich bis dahin erzielt hatte, war ich eigentlich ganz zufrieden.

Was man in jedem Fall machen sollte: die Verkaufsklappe mit einer Sturmsicherung sichern. Denn wenn die Klappe plötzlich einem Kunden auf den Kopf kracht, haftest du. Wenn du nicht die nötigen Sicherheitsvorkehrungen triffst, kann es sein, dass sich auch die Versicherung, bei der du deine Betriebshaftpflicht abgeschlossen hast, querstellt. Also eine Menge Ärger, obwohl die Lösung einfach gewesen wäre.

Welche Windgeschwindigkeiten hält die Verkaufsklappe aus?

Das ist schwer zu sagen und kommt immer auf den Einzelfall an. Klar im Vorteil ist man, wenn man einen windgeschützten Platz hat. Falls das nicht der Fall ist, könnte man sich immerhin mit der Rückseite des Trucks gegen den Wind positioneren. Mit der Zeit lernt man seine Standorte ja kennen und weiß, von welcher Richtung der Wind kommt. An der Himmelsrichtung alleine kann man sich nicht orientieren, da Wind bzw. Zugluft eine gewisse Eigendynamik hat, die sich aus der unmittelbaren Umgebung ergibt.

Je größer die Verkaufsklappe ist, desto mehr Angriffsfläche bietet sie dem Wind. Meine erstreckt sich fast über die gesamte Länge des Kofferaufbaus und dürfte in etwa 3,5 – 4 m lang sein. Windböen bis 70 km/h hielt sie bis jetzt stand (Falls Vorhersage und tatsächlicher Wert übereinstimmten. Gemessen habe ich es nicht.) Aber wie oben beschrieben – wenn es mir zu sehr wackelt, mache ich die Klappe zu. Und falls tatsächlich dauerhafte Stürme von 9 Bft. oder stärker (und nicht nur Sturmböen) vorhergesagt werden, dann würde ich es von vorneherein komplett bleiben lassen. Im Zweifel würde ich lieber auf Nummer sicher gehen.

Admin - 21:22:18 @ Allgemein, Foodtruck